Rentenlücke berechnen: so geht es Schritt für Schritt
Von Anel Bejtovic, Bejtovic Capital UG (haftungsbeschränkt) · Veröffentlicht am 12.10.2026 · Gerechnet nach den Regeln für 2026.
Die Rentenlücke ist der Betrag, der zwischen deiner Netto-Rente und deinen Ausgaben im Ruhestand fehlt. Du berechnest sie in fünf Schritten, von der Bruttorente aus der Renteninformation bis zum Kapital, das die Lücke über die Jahre füllt. Im Beispiel fehlen 624,56 € im Monat, und dafür braucht es zum Rentenbeginn 158.749,95 €.
Schritt 1: Die Netto-Rente ist der Ausgangspunkt
Ausgangspunkt ist die voraussichtliche Rente aus der Renteninformation, ein Bruttobetrag. Davon gehen die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung ab und, je nach Höhe, Einkommensteuer. Aus 1.913,40 € brutto mit Beginn 2026 werden 1.615,44 € netto, mit dem im Durchschnitt erhobenen Zusatzbeitrag von 3,36 %.
Die Renteninformation rechnet in heutigen Werten, ohne künftige Rentenerhöhungen. Das passt, wenn auch die Ausgaben in heutigen Euro angesetzt werden. Betriebsrenten und private Renten kommen netto dazu.
Schritt 2: Der Bedarf folgt aus den heutigen Ausgaben
Was du im Ruhestand brauchst, lässt sich aus den heutigen Ausgaben schätzen. Manches fällt weg, etwa Fahrten zur Arbeit, anderes kommt dazu, etwa Gesundheit oder später Pflege. Eine verbreitete Faustregel setzt 80 % des heutigen Nettoeinkommens an.
Im Beispiel liegt das Nettoeinkommen heute bei 2.800 €. Mit 80 % ergibt das einen Bedarf von 2.240 € im Monat.
Schritt 3: Die Lücke ist Bedarf minus Netto-Rente
Die Rentenlücke beträgt 2.240 € minus 1.615,44 €, also 624,56 € im Monat oder 7.494,72 € im Jahr. Diesen Betrag müssen Erspartes, Depot oder Mieteinnahmen im ersten Rentenjahr liefern.
Verglichen wird netto mit netto. Wer die Bruttorente gegen die Ausgaben stellt, unterschätzt die Lücke um die Beiträge und die Steuer.
Schritt 4: Inflation und Dauer vergrößern die Lücke
Die Ausgaben steigen mit den Preisen, die Rente mit dem Rentenwert, und beide laufen nicht im Gleichschritt. Das Beispiel lässt die Lücke mit 2,0 % Inflation wachsen; im 28. Jahr beträgt sie 1.066,06 € im Monat, in Euro von dann.
Die Dauer hängt davon ab, wie alt du wirst. Im Beispiel muss das Kapital 28 Jahre ab Rentenbeginn reichen; warum die Kaufkraft dabei sinkt, erklärt der Artikel zu Inflation und Rente.
Schritt 5: Das Kapital trägt die Lücke bis zum Ende
Das Kapital zahlt die wachsende Lücke Jahr für Jahr aus, der Rest bringt weiter Rendite. Bei 4,25 % Rendite im Jahr sind dafür zum Rentenbeginn 158.749,95 € nötig, nach 28 Jahren ist es aufgebraucht.
Steuern auf die Entnahmen, die Teilfreistellung und der Sparer-Pauschbetrag verschieben die Zahl; im Artikel Entnahmeplan sind sie vorgerechnet. Eine niedrigere Rendite erhöht den Kapitalbedarf deutlich.
Weitere Einkünfte verkleinern die Lücke
Eine Betriebsrente, eine private Rente, Mieteinnahmen oder eine abbezahlte Wohnung senken die Lücke. Sie gehören netto in Schritt 1, mit ihren eigenen Beiträgen und Steuern. Eine Betriebsrente kostet den vollen Krankenkassenbeitrag, wie der Artikel zur Doppelverbeitragung der Betriebsrente zeigt.
Ausgaben, die im Ruhestand wegfallen, verkleinern sie ebenfalls: eine abgezahlte Hypothek, Unterhalt für Kinder, Beiträge zur Altersvorsorge. Pflegekosten kommen dagegen spät und lassen sich als eigener Posten einplanen.
Ein Sparplan baut das Kapital auf
Wer noch zwanzig Jahre bis zur Rente hat, kann die Summe ansparen. Mit 10.000 € Startkapital und 300 € im Monat über 20 Jahre bei 4,25 % Rendite entstehen 135.530,83 €, in heutiger Kaufkraft 91.208,36 €.
Verglichen mit dem Kapitalbedarf des Beispiels, ebenfalls in heutigem Geld, deckt dieser Sparplan gut die Hälfte. Wie hoch die Rate für die ganze Summe sein müsste, rechnet der Sparplan-Rechner.
Häufige Fragen
Welche Einkünfte gehören in die Rechnung?
Alle Renten netto: die gesetzliche, Betriebs- und Privatrenten, dazu Mieteinnahmen. Erträge aus dem Depot, das die Lücke füllen soll, zählen nicht doppelt.
Wie viel Prozent meines Einkommens brauche ich im Ruhestand?
Eine Faustregel nennt 80 % des heutigen Nettoeinkommens. Wer schuldenfrei wohnt, kommt mit weniger aus; wer Miete zahlt, braucht mehr.
Rechne ich mit brutto oder netto?
Mit netto. Von der gesetzlichen Rente gehen Kranken- und Pflegeversicherung ab und, je nach Höhe, Einkommensteuer.
Muss ich die Inflation einrechnen?
Ja. Über zwanzig oder dreißig Jahre verändert sie die Lücke stark. Wer in heutigen Euro rechnet, kann die Renteninformation direkt vergleichen.
Wie lange muss das Kapital reichen?
So lange, wie du lebst. Viele rechnen bis zum Alter von 95 oder 100, um auch ein langes Leben abzudecken.
Quellen
- § 68 SGB VI: aktueller Rentenwert
- § 22 EStG: Renten und andere sonstige Einkünfte
- § 248 SGB V: Beitragssatz aus Versorgungsbezügen
Mit deinen eigenen Zahlen rechnet der Rentenlücke-Rechner.