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Abfindung und Rente: Steuer, Fünftelregelung, Sperrzeit

Von Anel Bejtovic, Bejtovic Capital UG (haftungsbeschränkt) · Veröffentlicht am 12.10.2026 · Gerechnet nach den Regeln für 2026.

Eine Abfindung ist voll steuerpflichtig, aber frei von Sozialversicherungsbeiträgen. Die Fünftelregelung senkt die Steuer, seit 2025 allerdings erst mit der Steuererklärung und nicht mehr bei der Auszahlung. Wer einem Aufhebungsvertrag zustimmt, riskiert beim Arbeitslosengeld eine Sperrzeit von bis zu 12 Wochen.

Die Abfindung ist steuerpflichtiger Arbeitslohn

Eine Abfindung für den Verlust des Arbeitsplatzes ist eine Entschädigung (§ 24 Nr. 1 EStG) und gehört zum Arbeitslohn. Sie ist voll steuerpflichtig. Beiträge zur Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung fallen nicht an, weil sie kein Entgelt für geleistete Arbeit ist.

Ohne Beiträge bringt die Abfindung auch keine Entgeltpunkte. Die Rente steigt durch sie nicht.

Die Fünftelregelung verteilt die Abfindung rechnerisch auf fünf Jahre

Bei der Fünftelregelung berechnet das Finanzamt, um wie viel ein Fünftel der Abfindung die Steuer erhöht, und nimmt diesen Unterschied mal fünf (§ 34 Abs. 1 EStG). So rutscht nicht die ganze Summe in einen hohen Steuersatz. Voraussetzung ist, dass die Abfindung in einem Jahr zufließt und das Einkommen dadurch höher ist als ohne den Jobverlust.

Seit 2025 wendet der Arbeitgeber die Regel beim Lohnsteuerabzug nicht mehr an. Er behält die volle Lohnsteuer ein, die Ermäßigung kommt mit dem Steuerbescheid für das Jahr der Auszahlung.

Rechenbeispiel: 3.088,44 € weniger Steuer

Eine Abfindung von 50.000 € fließt neben 40.000 € übrigem zu versteuerndem Einkommen. Ohne Abfindung beträgt die Einkommensteuer 7.209 €. Ein Fünftel, 10.000 €, erhöht sie um 3.339 €; mal fünf sind das 16.695 € Steuer auf die Abfindung, zusammen mit der übrigen Steuer 23.904 €.

Ohne Fünftelregelung betrüge die Einkommensteuer insgesamt 26.664 €. Mit Solidaritätszuschlag kostet die Abfindung 17.117,92 € statt 20.206,36 €, 3.088,44 € weniger.

In einem Jahr mit wenig Einkommen wirkt die Regel stärker

Die Fünftelregelung hilft umso mehr, je niedriger das übrige Einkommen im Jahr der Auszahlung ist. Fällt die Abfindung in das erste Rentenjahr oder in ein Jahr mit Arbeitslosengeld, ist der Effekt deutlich größer als im Beispiel.

Das Arbeitslosengeld selbst ist steuerfrei, erhöht aber über den Progressionsvorbehalt den Steuersatz auf das übrige Einkommen (§ 32b EStG). Bei zusammen veranlagten Ehepaaren zählt das Einkommen beider.

Ein Aufhebungsvertrag kann eine Sperrzeit auslösen

Wer das Arbeitsverhältnis selbst löst oder einem Aufhebungsvertrag ohne wichtigen Grund zustimmt, bekommt eine Sperrzeit, in der Regel von 12 Wochen (§ 159 Abs. 3 SGB III). Sie verkürzt sich, wenn die Stelle ohnehin bald geendet hätte oder die volle Sperrzeit eine besondere Härte wäre. In dieser Zeit gibt es kein Arbeitslosengeld, und die Anspruchsdauer sinkt.

Wird die Kündigungsfrist nicht eingehalten, ruht der Anspruch zusätzlich, höchstens bis zum regulären Ende der Frist (§ 158 SGB III). Das Gesetz behandelt einen Teil der Abfindung dann wie den Lohn, der in dieser Zeit sonst geflossen wäre.

Für die Krankenversicherung zählt der Status

Pflichtversicherte zahlen auf eine Abfindung keine Beiträge, auch nicht später als Arbeitslose oder Rentner. Wer Arbeitslosengeld bezieht, ist über die Agentur für Arbeit versichert, während einer Sperrzeit ab dem zweiten Monat.

Freiwillige Mitglieder, etwa nach einer Kündigung ohne Anspruch auf Arbeitslosengeld, zahlen dagegen auf ihre gesamten Einnahmen, und dazu kann die Abfindung gehören. Wie es im Ruhestand weitergeht, erklärt Krankenversicherung im Ruhestand.

Die Abfindung kann die Zeit bis zur Rente überbrücken

Eine Abfindung kann die Jahre bis zum Rentenbeginn tragen oder die Abschläge einer früheren Rente ausgleichen (§ 187a SGB VI). Wer mit 63 und 35 Versicherungsjahren in Rente gehen kann, stellt die Abschläge den Jahren ohne Lohn gegenüber; Rente mit 63 oder mit 67 rechnet das vor.

Wann der früheste Rentenbeginn liegt und welcher Abschlag dann gilt, zeigt der Rentenbeginn-Rechner. Wie viel Kapital die Jahre bis dorthin kosten, rechnet der Artikel zur Frührente mit ETF vor.

Häufige Fragen

Was ändert es, wenn die Abfindung erst im Folgejahr fließt?

Sie fällt dann in ein Jahr, in dem das übrige Einkommen oft niedriger ist, etwa ohne Lohn oder mit Rente. Die Fünftelregelung wirkt dort stärker, und die Steuer auf die Abfindung sinkt.

Ruht das Arbeitslosengeld wegen der Abfindung?

Nur wenn das Arbeitsverhältnis vor dem Ende der Kündigungsfrist endet (§ 158 SGB III). Wird die Frist eingehalten, bleibt die Abfindung für das Arbeitslosengeld ohne Folgen.

Bekomme ich mit Abfindung eine Sperrzeit?

Bei einem Aufhebungsvertrag ohne wichtigen Grund in der Regel ja, bis zu 12 Wochen. Eine Abfindung bei einer betriebsbedingten Kündigung, gegen die keine Klage erhoben wird, löst dagegen keine Sperrzeit aus.

Wird die Abfindung auf die Rente angerechnet?

Nein. Sie mindert die Altersrente nicht, erhöht sie aber auch nicht, weil auf sie keine Rentenbeiträge gezahlt werden.

Muss ich auf die Abfindung Krankenkassenbeiträge zahlen?

Als Pflichtversicherter nicht. Freiwillig Versicherte zahlen auf alle Einnahmen, dazu kann eine Abfindung gehören.

Quellen

Mit deinen eigenen Zahlen rechnet der Abfindung-Rechner.

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