Die 4-Prozent-Regel in Deutschland: was Steuern ändern
Von Anel Bejtovic, Bejtovic Capital UG (haftungsbeschränkt) · Veröffentlicht am 12.10.2026 · Gerechnet nach den Regeln für 2026.
Nach der 4-Prozent-Regel entnimmst du im ersten Jahr 4 % deines Kapitals und danach jedes Jahr denselben Betrag plus Inflation. In Deutschland ist das ein Betrag vor Steuern: Auf den Gewinnanteil jeder Entnahme fallen Abgeltungsteuer und Solidaritätszuschlag an, für freiwillig Versicherte auch Krankenkassenbeiträge. Weil der Gewinnanteil anfangs klein ist, bleibt der Unterschied in den ersten Jahren gering.
Die Regel stammt aus amerikanischen Daten
Die Regel geht auf Untersuchungen in den USA zurück, bekannt vor allem als Trinity-Studie. Sie prüften, wie oft ein Depot aus Aktien und Anleihen dreißig Jahre gereicht hätte, wenn im ersten Jahr 4 % entnommen und der Betrag danach mit der Inflation erhöht wird. In den meisten historischen Zeiträumen hätte es gereicht.
Daraus folgt eine Faustregel: Das Kapital muss das 25-fache der jährlichen Entnahme betragen. Für 2.000 € im Monat sind das 600.000 €.
Rechenbeispiel: 500.000 € bringen 1.666,67 € im Monat
Aus 500.000 € erlaubt die Regel im ersten Jahr 20.000 €, im Monat 1.666,67 €. Mit 3,5 % sind es 1.458,33 €, mit 3 % 1.250 €.
Umgekehrt braucht es für 2.000 € im Monat 600.000 € nach der Regel, 685.714,29 € mit 3,5 % und 800.000 € mit 3 %. Ein halber Prozentpunkt weniger Entnahme verlangt gut ein Siebtel mehr Kapital.
Steuer fällt nur auf den Gewinnanteil an
Beim Verkauf von Fondsanteilen ist nur der Gewinn darin steuerpflichtig. Bei einem Aktienfonds bleiben 30 % davon frei, die Teilfreistellung, dazu der Sparer-Pauschbetrag von 1.000 € im Jahr. Auf den Rest fallen 25 % Abgeltungsteuer und Solidaritätszuschlag an.
Im Beispiel des Artikels Kapitalertragsteuer auf ETF-Verkäufe macht der Gewinn 41,67 % des Erlöses aus, die Steuer 7,69 %. Je länger der Entnahmeplan läuft, desto größer wird der Gewinnanteil der verkauften Anteile.
Die Vorabpauschale kostet schon vorher Steuer
Thesaurierende Fonds lösen jedes Jahr eine Vorabpauschale aus, solange der Basiszins positiv ist (§ 18 InvStG). Sie wird im Januar versteuert und beim Verkauf vom Gewinn wieder abgezogen. Ein kleiner Teil der Steuer fällt damit jährlich an, unabhängig von den Entnahmen.
Wie hoch sie in diesem Jahr ist, zeigt Vorabpauschale 2026. Bei ausschüttenden Fonds wird jede Ausschüttung besteuert, bevor sie reinvestiert oder ausgegeben wird.
Freiwillig Versicherte zahlen auf die Erträge Beiträge
In der Krankenversicherung der Rentner sind Entnahmen aus dem Depot beitragsfrei. Freiwillig Versicherte zahlen dagegen auf Kapitalerträge Kranken- und Pflegeversicherung, mindestens auf 1.318,33 € im Monat (§ 240 SGB V). Das trifft vor allem Frührentner, die freiwillig versichert sind.
Bei einer Frührente kann der Mindestbeitrag einen spürbaren Teil der Entnahme ausmachen. Frührente mit ETF rechnet die Jahre vor der Rente getrennt.
Viele rechnen in Deutschland mit 3 % bis 3,5 %
Drei Dinge sprechen hier für einen niedrigeren Satz: die Steuer auf die Entnahmen, Ruhestände, die länger als dreißig Jahre dauern, und Renditen europäischer Depots, die historisch unter den amerikanischen lagen. Dafür deckt in Deutschland eine gesetzliche Rente einen Teil der Ausgaben.
Wie stark sie entlastet, hängt vom Zeitpunkt ab: Bis zu ihrem Beginn trägt das Depot alles, danach nur noch die Lücke. Den Verlauf Jahr für Jahr zeigt der Entnahmeplan-Rechner.
Häufige Fragen
Gilt die 4-Prozent-Regel in Deutschland?
Als Faustregel ja, aber der Betrag ist vor Steuern. Wer sehr früh aufhört oder freiwillig versichert ist, rechnet mit 3 % bis 3,5 %.
Warum rechnen viele mit weniger als vier Prozent?
Die Studien hinter der Regel nahmen dreißig Jahre an, amerikanische Renditen und keine deutsche Steuer. Ein früher Ruhestand dauert länger, und die Steuer auf die Entnahmen wächst mit der Zeit.
Muss ich auf jede Entnahme Steuer zahlen?
Nur auf den Gewinnanteil der verkauften Anteile, nach Teilfreistellung und Sparer-Pauschbetrag. Anfangs ist das wenig.
Steigt die Entnahme mit der Inflation?
Ja. Nach der Regel ist nur der erste Betrag an das Kapital gebunden, danach steigt er jedes Jahr mit den Preisen.
Was ist, wenn die Börse gleich zu Beginn fällt?
Das ist das größte Risiko der Regel. Eine kleinere Entnahme in schwachen Jahren oder ein Puffer in Tagesgeld verlängert die Laufzeit.
Quellen
- § 20 EStG: Einkünfte aus Kapitalvermögen
- § 20 InvStG: Teilfreistellung
- § 18 InvStG: Vorabpauschale und Basiszins
Mit deinen eigenen Zahlen rechnet der 4-Prozent-Regel-Rechner.